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Der erfüllte Traum vom schwerelosen Fahren



Jo Milbert schwebt am liebsten in seinem Heißluftballon über dem Pfaffenwinkel und über die Alpen

 

Steingaden

Ohne Luft kann er nicht leben. Ohne Höhenluft schon gar nicht. Deshalb hat Jo Milbert sich keinen Job auf festem Boden gesucht, als ihm vor zehn Jahren die Schüler ausblieben. Der ehemalige Sozialpädagoge war Fluglehrer, angestellt auf einem kleinen Flugplatz. Erst war das Fliegen sein Hobby, wurde zur Leidenschaft und dann zum Beruf. Nun musste er sich neu orientieren, wechselte vom Fliegen zum Fahren. Er blieb über der Erde, im Sommer wie im Winter. Nur hat sein Gefährt keine Flügel, sondern eine riesige, mit heißer Luft gefüllte Hülle. Jo Milbert wurde Ballonfahrer.

 





Freier Blick über den Pfaffenwinkel:
Jo Milbert hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
Eigentlich ist der Fluglehrer und Ballonfahrer Sozialpädagoge.
Foto: Ralf Gerard



Mehrmals über die Alpen



Bevor er jedoch seine Firma SKYGATE gründen konnte, hieß es noch einmal lernen. Natürlich half es, dass er sich auskannte mit Wind, Wetter und dem Fliegen. Aber einen Ballon zu fahren ist etwas anderes. In der Anforderung an Flexibilität - schließlich kann man nicht bei jedem Wetter starten - und Können. Deshalb ist der Ballon-Pilotenschein Pflicht vor dem ersten Start. Sechzig Stunden Theorie und zwanzig Stunden Praxis sind Voraussetzung, sonst bekomme man einen Ballon nicht sicher zurück auf den Boden, verrät Milbert. Für die Personenförderung sind zusätzlich viele Stunden Praxis, Landungen und Prüfungen erforderlich, ebenso für die Lehrbefähigung, die er auch erworben hat. Inzwischen hat er sogar mehrmals im Ballon die Alpen überquert, mit Passagieren.

 

Wieso der Ballonpilot ein Funksprechzeugnis braucht, wird dem Laien klar, wenn er über dem Pfaffenwinkel schwebt. Eigentlich herrscht eine fast meditative Ruhe, der riesige Ballon gleitet beschaulich einer bunten Wolke gleich über das Land und eröffnet völlig neue Perspektiven auf die Heimat. Einziger Laut, außer gelegentlicher Äußerungen der Mitreisenden, ist das heisere Fauchen des Brenners, wenn heiße Luft in die Hülle geblasen wird. Und die Gespräche aus dem Funkgerät, das Milbert regelmäßig einschaltet. Alle Ballonfahrer senden auf der gleichen Frequenz, da heißt es gut hinhören, wenn man seinen Mitarbeiter wahrnehmen will. Der folgt dem bunten Luftfahrzeug am Boden, um die Reisenden nach der Landung wieder zum Ausgangspunkt zu bringen.

 

Ruhig und entspannend ist das Fahren allerdings nur für die Passagiere, sobald sie - wenn sie Neulinge sind - die anfängliche Furcht überwunden haben. Der Pilot, so gelassen er auch wirkt, ist bei der ganzen Fahrt höchst konzentriert. Ständig beobachtet er sein Gefährt, die Winde, die Höhe und die Landschaft. Die permanente Anspannung, die Höhenluft und die Sonne haben Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. "Der Ballon hat eine verzögerte Reaktion, es dauert, bis er macht was ich will." Das zeigt sich beim ersten Landeversuch. Schon nähert sich das Gefährt dem Boden, ungläubig beobachtet von weidenden Kühen, da treibt es ein plötzlicher Luftzug zum Wald und dem nahen Forggensee. Da heißt es schnell reagieren und wieder aufgestiegen. Der zweite Versuch jedoch klappt vorbildlich, selbst das vom Piloten geforderte Wippen in den Knien ist fast überflüssig, so sanft setzt er auf. Gut 800 Kilo wiegt der Ballon, der bis zu einem Dutzend Gäste transportiert, etwa 35 Meter hoch ist er. Rund 70 000 Euro hat Milbert dafür investiert, dazu kommen Technik, geländegängiges Begleitfahrzeug, Anhänger. Es dauert lange, bis sich die Anschaffung rentiert. Zumal die Hülle aus speziellem Nylon nach rund 500 Stunden ersetzt werden muss. Dennoch hat er darauf zurzeit keine Werbung. Noch sei der richtige Investor nicht gekommen, sagt Milbert. Er sei kritisch, Zigarettenwerbung etwa würde er nicht durch die Lande fahren.

 

(SZ von von Katrin Fügener)